|
Bochums „Stadtzeichen” ist das grün gestrichene Fördergerüst über dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, das - mit dem Museum am Rande der Innenstadt gelegen – weithin sichtbar ist und innerhalb der „Ruhrstadt” den Standort Bochum anzeigt. Dieses Fördergerüst stand ursprünglich über dem Zentralschacht der Schachtanlage Germania in Dortmund–Marten, wurde von dem bekannten Architektenpaar Schupp und Kremmer, denen auch die Entwürfe vieler Industrieanlagen der ehemaligen Gelsenkirchener Bergwerks AG zu verdanken sind (u. a. der Schachtanlagen Hansa, Nordstern, Zollverein – letztere wurde inzwischen in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen!), entworfen und im Jahre 1944 errichtet. Es war zu seiner Erbauungszeit mit einem Gesamtgewicht von rd. 850 t und einer Gesamthöhe von 71,40 m eine der modernsten und auch leistungsstärksten Fördereinrichtungen des deutschen Steinkohlenbergbaus; bis zum Jahre 1971 wurde noch aus der Dortmunder Schachtanlage Steinkohle gefördert. Ursprünglich zum Abbruch vorgesehen, erhielt das Dortmunder Fördergerüst unverhofft eine neue Zukunft. Nachdem Bochum 1972 mit der Zeche Hannover-Hannibal sein letztes Steinkohlenbergwerk stillgelegt hatte, gleichzeitig aber das Bewusstsein um die Bedeutung von Technischen Denkmalen als Zeugnissen der Industrieentwicklung der Region erheblich gewachsen war und das Deutsche Bergbau-Museum im Rahmen dieser Entwicklung expandierte, entstand in der Geschäftsführung der Westfälischen Berggewerkschaftskasse als Trägerin des Museums der Gedanke, das Fördergerüst aus Dortmund nach Bochum zu übertragen und es über dem Schacht des Museums wiederaufzubauen, um endlich eine dem Bergbau angemessene Einfahrtsmöglichkeit in das Anschauungsbergwerk des Museums zu ermöglichen. Darüber hinaus bot sich die Möglichkeit, die „turmlose” Stadt Bochum um ein markantes Stadtzeichen zu bereichern. Dieser Gedanke wurde in der Stadt z.T. heftig diskutiert, die Umsetzung und der Wiederaufbau aber schließlich auch von den städtischen Gremien begrüßt. Das Fördergerüst wurde daraufhin im Jahre 1973 mit Mitteln des Kulturministeriums NRW umgesetzt. Diese Umsetzungsmaßnahme markiert – zusammen mit der Erhaltung der Schachtanlage Zollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen – den Beginn der intensiven Beschäftigung mit der Denkmalpflege und des Bergbau-Museums mit der Denkmalgattung „Technische Denkmale”. Das Fördergerüst wurde auf der Dortmunder Schachtanlage Germania in Einzelteile mit einem Gewicht bis zu 30 t zerlegt und mit Spezialtransportern nach Bochum gebracht. Auf dem Betriebshof des Museums stand ein Autokran bereit, um die Teile den Monteuren quasi „anzureichen”: Die wochenlange Montage gestaltete sich zu einem viel beachteten Schauspiel für die Bochumer Bürger, die Monteure in schwindelerregender Höhe von über 50 m arbeiten und den Turm wachsen zu sehen, war „in”. Nach dem Einbau des Fahrstuhls als Befahrungseinrichtung konnte das Gerüst im Jahre 1974 wieder in Betrieb genommen werden: Seitdem dient dieses größte originale Ausstellungsstück des Museums neben seiner Funktion als Einfahrmöglichkeit ins Anschauungsbergwerk auch als viel besuchte Aussichtsplattform, von der sich ein weiter Blick über das Ruhrgebiet bietet: Bei guter Sicht kann man z.B. die Industrieanlagen der Duisburger Thyssen-Hütte im Westen und der Kraftwerke Scholven und Herne im Norden bzw. Osten erkennen, man sieht die Skyline von Essen und die Schalker Arena und – natürlich – die markanten Baulichkeiten von Bochum mit der Jahrhunderthalle und dem Rathaus. Man kann – orientiert man sich nach den ehemals in Bochum bestehenden Zechenanlagen – von „Hannover” bis nach „Lothringen” schauen: Das signalisiert den Radius der Aussicht. Das Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums Bochum ist das wohl signifikanteste Gerüst auf der „Route der Industriekultur” des Ruhrgebiets und das einzige, das gefahrlos von Jedermann zu (beinahe) jeder Zeit befahren werden kann. Es feierte im Jahre 2004 seinen 60. Geburtstag und den 30. seiner Wiederinbetriebnahme in „musealer Funktion” – inzwischen dreimal in den Jahren 1975, 1986 und 1999 f. renoviert und saniert, erstrahlt es wieder in neuem Glanz als „das” Wahrzeichen Bochums, das auf die Vergangenheit dieser Stadt als einstige Steinkohlen-Metropole im Ruhrgebiet noch heute und auch zukünftig verweist. Für das Deutsche Bergbau-Museum Bochum als weltweit größtes Spezialmuseum des Bergbaus ist das Fördergerüst unverzichtbar – es hat dem Museum erst sein unverwechselbares „Gesicht” gegeben. Der Aufbau des Fördergerüstes und der Tagesanlagen
Die Geschichte des Fördergerüstes der Zeche Germania reicht bis in die Zeit der Weltwirtschaftskrise, bis in die Jahre 1929/1930 zurück. Unter dem Druck des sich immer schwieriger gestaltenden Kohlenabsatzes mussten die seit 1858 und 1874 betriebenen Schachtanlagen Germania 1 und 2 in Dortmund-Marten stillgelegt werden. Es bestand schon damals der Plan, bei Verbesserung der Absatzlage auf dem Gelände von Germania 2 eine neue Zentralschachtanlage zu errichten, die ebenfalls die Förderung der seit 1887 mit der Zeche Germania organisatorisch verbundenen Schachtanlagen Zollern 1 und 2 übernehmen sollte: Doch erst nahezu 25 Jahre später konnte dieser Gedanke verwirklicht werden.Die Tagesanlagen der Zentralschachtanlage wurden nach dem Entwurf der Essener Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer gebaut, die für ihre vorbildlichen Industriebauten bekannt waren. 1943/44, d. h. mitten im Krieg, wurde das vollwandige Doppelbockgerüst errichtet, das seinerzeit mit einem Gewicht von 850 t und einer Höhe von 68 m als der Welt größtes Fördergerüst galt. Es war mit zwei Seilscheiben von 7,5 m Durchmesser ausgerüstet, die 68 mm starke Seile aufnehmen konnten. Zunächst übernahm eine Behelfsförderung im westlichen Trum die Abförderung der Ausrichtungsberge. 1951 ging die östliche, 1955 die westliche Hauptförderung in Betrieb. Jede der beiden Fördermaschinen leistete 3.400 kW, ihre Treibscheiben besaßen einen Durchmesser von 8 m. Die damals größten Fördermaschinen Europas benötigten bei 43 U/min und einer Fördergeschwindigkeit von 18 m/s nur 40 Sekunden für eine Fahrt bis zur 6. Sohle. Die westliche Förderung wurde vollautomatisch betrieben, die Rohförderung in 1500Liter-Wagen im Zentralschacht mit zwei Gestellförderungen gehoben. Die Beschickung beider Förderungen im Füllort auf der 7. Sohle erfolgte automatisch. Überwacht wurde der Vorgang von einer Steuerkanzel, in die für jede Förderung ein Steuerpult eingebaut gewesen war. Die Förderkörbe besaßen zunächst vier, später fünf Etagen für jeweils zwei hintereinander angeordnete 1.500 l-Wagen. Damit fasste jeder Korb eine Nutzlast von 15 t, ein Gewicht, das einer Netto-Förderung von 11 t entsprach. Zur Seilfahrt waren 70 Personen je Korb zugelassen. Materialförderung und Zwischenseilfahrten wurden über den Schacht Germania 3 abgewickelt. Rohkohlen und Berge wurden zunächst über Tage mit einer behelfsmäßigen Verladeanlage in Waggons verladen und auf Hansa aufbereitet. Hängebank und Aufbereitung wurden bis 1955 für einen täglichen Durchsatz von 6.000 t verwertbare Förderung gebaut und bis 1961 auf eine Leistung von 8.000 t gesteigert. Der Wagenumlauf auf der Hängebank wurde von drei Gleisbildstellwerken elektro-pneumatisch gesteuert. Die Entleerung der Förderwagen erfolgte über vier halbautomatische Kreiselwipper, denen zwei Kurbelsiebe, zwei Lesebänder zum Ausklauben von Fremdkörpern und zwei Walzenbrecher zum Aufschließen der Körnung > 150 mm nachgeschaltet waren. Eine Wagenreinigung mit Spritzwasser konnte täglich 500 Wagen säubern. Das Rohfördergut wurde der Wäsche über zwei Bandstraßen zugeführt. Die Aufgabemenge konnte über Bandwaagen unter Einschaltung eines Rohkohlenbunkers von 2.800 t Fassungsvermögen gleichmäßig gesteuert werden. Die Sieberei mit drei Rohkohlensieben und drei Lesebändern lag 15 m unterhalb der Hängebank. Die Wäsche, die seinerzeit zu den modernsten der Welt zählte, nahm eine Grundfläche von 90 m x 32,4 m oder 2.916 m2 ein und besaß eine Höhe von 51,7 m. Die Rohkohle wurde auf vier Resonanzsieben auf 10 mm Größe klassiert, zur Aufbereitung der Grobkohle über 10 mm standen drei Setzmaschinen zur Verfügung, die Nachklassierung erfolgte über drei weitere Resonanzsiebe. Das Grobzwischengut wurde gebrochen und dem Feinkornsystem zugesetzt. Außerdem verfügte die Wäsche über ein weiteres System zur Herstellung von Nusskohlen bestimmter Qualität. Der häufige Umschlag der Kohle von den Gewinnungsbetrieben bis zur Aufbereitung und der verstärkte Einsatz von Schrämwalzen führten zu einer starken Zunahme des Feingutes. Die Rohfeinkohle unter 10 mm wurde zunächst durch neun Windsichter entstaubt und danach auf drei Feinkornsetzmaschinen, das Zwischengut auf einer Nachwaschsetzmaschine abgeschwommen. Die Feinkohle wurde in 22 Schwemmsümpfen und zwei Feinkohlenschleudern entwässert, das Waschwasser in Spitzkästen geklärt, der eingedickte Rohschlamm auf zwei Scheiben-filtern entwässert und je nach geforderter Qualität ganz oder teilweise zusammen mit dem Staub über drei Mischschnecken und einen Schlagkreuzmischer wieder der Feinkohle zugesetzt. Das abgestoßene Waschwasser gelangte über den Rundeindicker mit 32 m Durchmesser und 4.370 m3 Inhalt kontrolliert in den Vorfluter. Der Feinkohlenverladebunker hatte ein Fassungsvermögen von 3.000 t. Die Wäsche konnte durch entsprechende Einstellung der Maschinen und dank ausreichender Zusatzeinrichtungen den Qualitätsanforderungen gut angepasst werden. So konnte schon damals Kokskohle mit einem Wassergehalt von nur 7 % und mit einem Aschegehalt von 6 bis 6,5 % oder mit einem Anteil von 45 % kleiner als 1 mm geliefert werden. Die Kohlen von Germania hatten einen guten Ruf. Hohe Qualitätsanforderungen der Kunden machten auch Eingriffe in die Abbauplanung erforderlich. So konnte 1968 ein fertig eingerichteter Abbaubetrieb in Flöz Wellington in der 2. Abteilung Süden wegen des hohen Schwefelgehaltes der Kohle nicht in Verhieb genommen werden. Der Tagesbetrieb verfügte am Zentralschacht über leistungsfähige Werkstätten, einen weitläufigen Holzplatz sowie über einen Platz, auf dem Material wie Ausbau, Maschinen und Rohrleitungen gelagert, verladen und auf einer Gleisharfe revierweise bereitgestellt werden konnte. Die moderne Schwarz-Weiß-Kaue war mit Magazin, Lampenstube und Büros in einem Gebäude zusammengefasst. Außerdem bestand die Möglichkeit, dem Grubenbetrieb über einen Esch-Kegelbrecher mit einer Brechleistung von 80-90 t/h Fremdberge für die zahlreichen mit Vollversatz arbeitenden Abbaubetriebe zuzuführen. Ein Förderturm wird Kulturdenkmal Schon Mitte des Jahres 1970 schlug der damalige Direktor des DBM, Bergassessor a. D. Hans-Günther Conrad, dem Direktor und Geschäftsführer der Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK), Bergassessor a. D. Franz-Rudolf Limper, die Aufstellung eines Fördergerüstes auf der großen Rasenfläche vor dem DBM an der Herner Straße vor. Dabei hatte er an ein funktionslos gewordenes Bockgerüst der früheren Steinkohlenzeche Alte Haase in Sprockhövel gedacht, die bereits am 30. April 1969 wegen Absatzmangels stillgelegt worden war. Die Aufstellung eines solch relativ unansehnlichen Fördergerüstes ohne Funktion vor dem Museumskomplex hätte den großzügig wirkenden Anblick der bestehenden Architektur jedoch mehr gestört als bereichert. Etwa zum gleichen Zeitpunkt hatte der Vorstand der Ruhrkohle AG den Beschluss zur Stilllegung der Schachtanlage Germania in Dortmund-Marten für das Jahr 1971 gefasst. Eine Erhaltung dieser in ihrer Architektur einzigartigen Bergwerksanlage aus Gründen des technischen Denkmalschutzes war zu diesem Zeitpunkt weder beabsichtigt noch überhaupt ernsthaft erwogen worden. Eine entsprechende Anfrage der Stadt Dortmund durch den Dezernenten für Bauwesen und Denkmalpflege, Stadtrat Dr. Wagner, beim Landeskonservator von Westfalen-Lippe wurde am 24. August 1971 von diesem abschlägig beschieden unter Hinweis darauf, dass die Nutzung und Erhaltung der bereits seit zwei Jahren unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Zeche Zollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen durch die Stadt Dortmund keine Unterstützung gefunden habe. Nachdem andererseits eine Prüfung der Bergbau AG Dortmund auf Wiederverwendung des Fördergerüstes Germania und seiner Fördermaschinen auf der Schachtanlage Haus Aden in Bergkamen aus technischen Gründen negativ verlaufen war, wurde der Abriss der Schachtanlage und der Verkauf des Zechengeländes an die Stadt Dortmund zur Erschließung eines neuen Gewerbegebietes beschlossen. Zu den bergbehördlichen Auflagen des Stilllegungsbetriebsplanes gehört üblicherweise die Beseitigung aller bergbau-typischen Anlagen und Gebäude sowie die Wiederherstellung des Zustandes vor Aufnahme des Bergbaubetriebes: Somit waren auch die Fördergerüste dazu bestimmt, abgebrochen und verschrottet zu werden. Der sicherlich stark emotional bedingte Wunsch, das in Form und Funktion gleichermaßen harmonisch ausgewogene Fördergerüst des Zentralschachtes Germania als Technisches Denkmal der Nachwelt zu erhalten, veranlasste den früheren langjährigen Betriebsdirektor der Zeche Zollern-Germania, Bergassessor a. D. Franz-Rudolf Limper, zu der Überlegung, das Fördergerüst über dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum aufstellen zu lassen. Eine von ihm veranlasste Prüfung der Konstruktionsunterlagen aus den Jahren 1938/1939 bestätigte die Vermutung, dass das Doppelbock-Strebengerüst über dem Mittelbau des Bergbaumuseums aufgestellt und gleichzeitig für den Fahrstuhl in das Anschauungsbergwerk genutzt werden konnte. Dabei sollten die Fundamente der beiden Stützstreben nördlich und südlich des Hauptbaues symmetrisch angeordnet werden. Ein von der Museumswerkstatt maßstabsgetreu hergestelltes Modell sowie eine entsprechende Fotomontage überzeugten selbst kritische Betrachter von der ästhetisch gelungenen Wirkung der Kombination von Museum und Fördergerüst, zumal beide nach Entwürfen des Architekten Fritz Schupp erbaut worden waren. Noch aber mussten vor der Verwirklichung des Zieles zahlreiche Hürden genommen und Schwierigkeiten beseitigt werden. Zunächst einmal galt es, die Landesregierung für die Finanzierung der Erhaltung des Förderturms als technisches Kulturdenkmal zu gewinnen. Der Bergbau konnte - und wollte - keine Mittel bereitstellen, und auch die Stadt Bochum, die damals noch 50 % der laufenden Kosten des DBM zu decken verpflichtet war, sah sich zunächst außer Stande, das Projekt mitzufinanzieren, und lehnte eine Beteiligung kategorisch ab. Dank der tatkräftigen Hilfe des Landeskonservators, Landesbaudirektor Dr.-Ing. Neumann, wurde in einem gemeinsamen Gespräch mit dem damaligen Vorsitzenden des Kulturausschusses des Landtages, Joachim Bargmann, am 14. Dezember 1971 Konsens über die Erhaltungswürdigkeit des Förderturms als Technisches Denkmal und die Finanzierungsmöglichkeit der auf etwa 900.000 DM geschätzten Kosten für die Umsetzung des Gerüstes nach Bochum erzielt. Einer entsprechenden Vorlage stimmte der damalige Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Girgensohn, im Februar 1972 zu und wies die zuständige Landes-Abteilung an, die Kosten für die Translozierung des Fördergerüstes von Dortmund nach Bochum in die Fördermaßnahmen für das DBM einzubeziehen: Darin eingeschlossen war der Neubau eines umfangreichen Museumsflügels (an der Straße „Am Bergbaumuseum”), der an die Stelle der vom Bauordnungsamt der Stadt Bochum aus Sicherheitsgründen geschlossenen so genannten „Alten Schlachthofhalle” treten musste: Dieser noch aus der Gründungszeit des DBM bestehende Hallenbau lag für eine Wiedererrichtung des Fördergerüstes „ungünstig”: Da der Kultusminister bereits im Frühjahr 1971 eine finanzielle Unterstützung für den Neubau zugesagt hatte, wurde der geplante Erweiterungsbau nach Norden verschoben, um Platz für die nördlichen Streben des Fördergerüstes zu schaffen: Sie wurden daraufhin im Innenraum des Atrium I errichtet. Diese Anordnung erwies sich letzten Endes auch als vorteilhaft für die Ausstellungsmöglichkeiten des DBM, entstand doch hierdurch ein geschlossenes Atrium auf der Museumsnordseite, das sich auch für die Aufstellung größerer Exponate (z. B. eines Skip-Fördergefäßes, von Seilscheiben usw.) anbot. Außerdem konnte im Bereich der Gerüstfundamente mit nur geringen Zusatzkosten ein Kellergeschoss geschaffen werden, das heute als Maschinenkeller die Aufstellung von Schwermaschinen erlaubt. Durch die Zuwendung des Kultusministers war die Finanzierung gesichert. Auch der WBK-Vorstand hatte seine Bereitschaft zur Beteiligung und Vorfinanzierung im November 1971 erklärt. Jetzt galt es nur noch, die Zustimmung der Stadt Bochum zu erzielen. Es ist heute nur schwer nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten und Vorurteile bei einer Vielzahl von Stadtverordneten überwunden werden mussten, um die Zustimmung zur Aufstellung dieses Technischen Denkmals zu erreichen. Die Stadt Bochum, die durch den Steinkohlenbergbau aus einem Ackerstädtchen zu einem industriellen Zentrum gewachsen war, wollte nach Gründung der Ruhr-Universität und der Ansiedlung der Opel-Werke das Aussehen und das Image einer „Bergbaustadt” abwerfen, nachdem alle Zechen auf Bochumer Gebiet geschlossen und deren Fördergerüste fast alle beseitigt worden waren. Vor diesem Hintergrund war es nur konsequent, dass sich die Stadt Bochum mit der Zustimmung zum Wiederaufbau eines in der Stadtsilhouette so dominanten „Bergbau-Denkmals” schwer tat. Erst durch den Druck der Presse und die zustimmende Einstellung der Landesregierung wurde die ablehnende Haltung des Bauausschusses allmählich „aufgeweicht”, schließlich überzeugte ein über dem DBM auf 70 m Höhe aufgelassener orangeroter Fesselballon die SPD-Fraktion davon, dass der Förderturm ein weithin sichtbares, markantes Wahrzeichen für die Stadt Bochum sein könnte. Sie gab daraufhin am 13. März 1972 ihre Zustimmung für die Verwaltung. Nun aber machte das Staatshochbauamt Dortmund die Stadt Bochum darauf aufmerksam, dass die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Errichtung des 70 m hohen Fördergerüstes notwendig sei und in diesem Verfahren auch der Bochumer Polizeipräsident als Nachbar des Museums und das Staatshochbauamt als für die Bauangelegenheiten zuständige Behörde vor Erteilung der Baugenehmigung zu beteiligen seien. Schließlich erhob der Regierungspräsident Arnsberg am 17. Juli 1972 Bedenken gegen die Errichtung, weil
Pünktlich und ohne Unfälle wurde das Schachtgerüst in 23 Tagen an seinem neuen Platz, in seiner neuen Heimatstadt errichtet und am 15. Juni 1973 in Anwesenheit des Kultusministers und zahlreicher ehemaliger Mitarbeiter der Schachtanlagen Zollern-Germania mit einem zünftigen Richtfest eingeweiht. Als Ehrengast war auch der Erbauer des Gerüstes, der Architekt Prof. Dr. Fritz Schupp, zugegen. In seinem Dankesbrief für die Teilnahme am Richtfest schrieb Schupp am 01. Juli 1973: „Von allem Sentiment abgesehen, ist das Germania-Gerüst über dem Bergbaumuseum eine baulich-ästhetisch überzeugende Lösung”. Nach dem gelungenen Richtfest, das auch die letzten kritischen Stadtverordneten von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt hatte, galt es noch, das Führungsgerüst einschließlich der Aufzugsanlage zu montieren, damit nicht nur das Anschauungsbergwerk, sondern auch die Seilscheibenbühne durch die Besucher befahren werden konnten. Schließlich fehlte noch zur Fertigstellung des Bauwerks der Anstrich. An dieser wichtigen Frage, für das Erscheinungsbild der Bochumer Stadtsilhouette entzündeten sich noch einmal die Gemüter: Während die CDU-Vertreter im Rat der Auffassung waren, ein zurückhaltendes Schwarz wäre dem Denkmal angemessen, bestanden die SPD-Stadtverordneten darauf, „dass Fördertürme im Ruhrgebiet rot sind”. Schließlich einigte man sich beim Ortstermin auf das traditionelle „Germania-Grün”, das auch mit der Patina der Kupferdachrinnen und Kirchendächer harmonierte, eine Entscheidung, der auch Prof. Schupp seine Zustimmung gab. Eine besondere Nuance der Geschichte bestand noch darin, dass die Bergbau AG Dortmund, eine Tochtergesellschaft der Ruhrkohle AG, der der Abbruch und die Entsorgung des Gerüstes in Dortmund erspart geblieben war, die Zahlung von 111.000 DM für den Schrottwert des rd. 500 t schweren Gerüstes verlangte. Da die WBK als Bauherr hierfür keine eigenen Mittel aufbringen konnte, überwies die Ruhrkohle AG schließlich die geforderte Summe über die WBK an ihre Tochtergesellschaft in Dortmund. In seiner Richtfestrede am 15. Juni 1973 sagte der Geschäftsführer der WBK, Bergassessor a. D. Franz-Rudolf Limper: „Wünschen möchte ich aber auch, dass die Bürger dieser Stadt sich allmählich an diesen Turm gewöhnen und ihn, nachdem bald alle Fördergerüste aus der Hellwegzone verschwunden sind, als besonderen Anziehungspunkt schätzen lernen, ja ihn vielleicht in einigen Jahren als traute heimatliche Silhouette so lieb gewinnen wie wir, „die alten Germanen”. Dieser Wunsch hat sich erfüllt, Bochum ist ohne das ehemalige „Germania-Gerüst” heute nicht mehr vorstellbar: Das Fördergerüst ist nach nunmehr über 30 Jahren an seinem neuen Standort als Denkmal, Wahrzeichen und Orientierungshilfe von den Bochumern angenommen ist, es findet sich an zahlreichen Örtlichkeiten in Bochum als Identifikationsobjekt wieder. Anmerkungen: Die Geschehnisse um die Translozierung des Fördergerüstes vom ehemaligen Standort in Dortmund-Marten zum gegenwärtigen über dem DBM sind in allen wesentlichen Teilen übernommen aus: Kaffanke, Hubertus/Franke, Alfred (Hrsg.): Zollern-Germania. Die Entwicklung von vier Zechen im Dortmunder Westen zur Zentralschachtanlage 1850-1971, Essen 1999, S. 231234; Der Anschnitt 1973, H. 5, S. 32 f. Vgl. darüber hinaus die Jahres- und Monatsberichte der WBK und des DBM. |
|
|
|